von Ulrich Gimbal  (uDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Im August 2017 fand eine Bergtourwoche im Engadin (Schweiz) statt. Mein Hauptquartier der Aktion war in Pontresina/Graubünden auf 1805m. Die An- und Abreise erfolgte jeweils per Bahn und/oder Überlandbus. In der Woche wurden folgende Berge bestiegen:

  • Pontresina - Segantini Hütte (Chamanna Segantini), 2350-2731m,   600 Höhenmeter, 5 Stunden Gehzeit+Pausen
  • Pontresina - Piz Languard/Paradis Hütte 1805-3262m/2540m,   1534 Höhenmeter, 8 Stunden
  • RhB-Station Diavolezza - Saas Queder/Diavolezza, 2090-3066m/2978m,   1072 Höhenmeter, 4 Stunden
  • Pontresina - Las Sours/Munt da la Bes-cha 1805-3008m/2647m,   1279 Höhenmeter, 7 Stunden
  • St. Moritz - Munt St. Moritz/Piz Nair 1775-2667m/3057m,   1329 Höhenmeter. 6 Stunden
  • Zudem erfolgte eine Fahrt mit der Rhätischen Bahn (RhB) von Pontresina nach Poschiavo (Puschlav).

Tag 1: Der Zielberg war ursprünglich der Las Sours, aber aufgrund schlechter Wetterbedingungen kam ich nur bis zur Segantini-Hütte. Schon morgens vor dem Beginn der Tour zogen Gewitterzellen auf. Der Direktaufstieg war somit nicht möglich. Nach Abzug des ersten Gewitters fuhr ich mit der Languard-Sesselbahn bis auf 2350m. Von dort ging es auf einem Berghang-Steig aufwärts in Richtung Hütte (2731m). Unterwegs tauchten aus Westen und Süden weitere Schlechtwettergebiete auf. Ich schaffte es knapp vor einem Wolkenbruch zum Segantini Haus. Dort wartete ich die weitere Wetterentwicklung ab. Zwischenzeitlich schlugen in der nächsten Umgebung mehrere Blitze ein. Einen Treffer erhielt dabei die Munt Muragl Standseilbahn, die daraufhin den Betrieb einstellen musste. Zudem gabe es Einschläge in die zahlreich vorhandenne Lawinenverbauungen am Hang. Nach mehreren Stunden stieg ich wieder in Richtung Pontresina ab.

Tag 2: Das war der einzige Tag mit durchgehend schönem Wetter(prognosen). Somit wählte ich den Piz Languard als Ziel, dem höchsten Berg der Livigno-Alpen. Los gings in Pontresina. An den Tal- und Bergstationen der Languard-Sesselbahn vorbei sowie der Georgy`s-Hütte (3180m) gings auf guten Bergsteigen zum Gipfel auf 3262m. Das Gelände war schottrig aber gut begehbar. Oberhalb der Hütte waren auf Grobblock-Gelände Kletterfertigkeiten (1te Kategorie) notwendig. Auf der Spitze gab es gute Fernsichten zum Ortler, der Silvretta- und Verwall-Gruppe und über die gesamten Albula Alpen mit dem Piz Kesch u.a.. Zudem gabs herausragende Aussichten auf das gesamte Bernina/Morteratsch-Massiv sowie die Berge oberhalb von St. Moritz. Die Bergspitze ist einer der amtlichen Meßpunkte der Schweiz. Anstelle eines Gipfelkreuzes trägt die Bergspitze eine kleine Pyramide, die als offizieller Meßpunkt dient. Der Abstieg erfolgte abweichend über eine nasse Mulde zunächst zur Paradis-Hütte, 2540m. Dort schöne Talblicke auf Pontresina und St. Moritz. Anschließend verlief der Weg entlang eines breiten Kamms zur Bergstation der Sesselbahn zurück. Nach 1534 Höhenmetern fuhr ich per Bahn ins Tal.

Tag 3: Fahrt mit der Rhätischen Bahn bis zur Station Diavolezza. Von dort Aufstieg zum Saas Queder 3066m. Der zunächst breite Weg führte, teils steil, zu einem See unterhalb des Bergmassivs. Vom See führte der Steig über schottriges- und Grobblockgelände unterhalb der Bergstation der Diavolezza-Seilbahn auf eine Art Platz. Der Weg ist abschnittsweise anspruchsvoll (mit Seilsicherungen). Unterwegs ging man an verpackten großflächigen Gletscherresten vorbei. Diese Reste stellen wohl eine Grundlage für den Skibetrieb im Winter dar. Vom Platz gings weiter über grobes Felsgelände zum Gipfelplateau. Dort stand kein Gipfelkreuz. Ein Ausblick war wegen schlechtem Wetters kaum vorhanden. Stattdessen zog ein immer stärker werdender Sturm auf. Daher wurde auf eine Besteigung der ursprünglich zusätzlich angepeilten 3000er-Gipfel Piz Trovat und Munt Pers verzichtet. Mein Weg führte nun vom Plateau über den erwähnten Platz nur noch zur Gipfelstation der Diavolezza Seilbahn auf 2978m. Nach einer Stärkung im Stationsrestaurant und dem kurzzeitig möglichen Blick auf den Bernina-Gletscher fuhr ich mit der Seilbahn talwärts. Insgesamt wurden 1072 Höhenmeter erstiegen.

Tag 4: Fahrt mit der Rhätischen Bahn über den Bernina-Pass ins Poschiavo-Tal nach Puschlav/Poschiavo. Unterwegs gab es vom Zug aus schöne Blickmöglichkeiten auf den Pass-See des Bernia, auf den Piz Palü-Gletscher und ins Poschiavo Tal. Da die Wettervorhersagen für die Region zu schlecht waren fand an diesem Tag keine Bergwanderung statt.

Tag 5: Erneuter, diesmal erfolgreicher Anlauf auf den Las Sours 3008m. Der Berg wurde direkt von Pontresina aus bestiegen. Der Steig führt vom Ort erst durch baumreiches Gelände, anschließend umgeht man zahllose Lawinenverbauungen bis zum Vorplateau des Las Sours in Nähe der Segantini Hütte. Am grasigen Plateau hält man sich nun rechts und folgt den deutlich sichtbar vorhandenen Wegspuren zum eigentlichen Bergfuß. Der Berg selbst besteht aus groben und etwas feinerem Blockwerk. Das Bergmassiv sieht insgesamt sehr brüchig aus. Es wird durch eine Vielzahl von Stützmauern gehalten. Ohne diese Mauern hätte es wahrscheinlich schon einige Bergstürze in den direkt darunter liegenden Ort Pontresina gegeben. Der Steig schlängelt sich steil in vielen Serpentinen zur Spitze auf. An manchen Stellen muss man einen gewissen Instinkt haben um den besten Weg durch die Felsblöcke, -stufen und Mauern zu finden.  Der Berg ist als anspruchsvoll einzustufen. Am Gipfel wird man durch gute Fernsicht in die Regionen St. Moritz, zum Piz Bernina/Morteratsch-Massiv und über die Albula-Alpen belohnt. Das nächste Ziel der Tour war die Segantini-Hütte 2731m. Vom Las Sours gings nun auf gleichen Wege zum Hochplateau zurück. Von dort per kurzer Wanderung zur Hütte. Nach kurzer (Trink)Rast: Marsch über den Vorberg Munt da la Bes-cha 2647m in ein Seitenhochtal zwischen dem Munt Muragl und der Las Sours-Piz Languard Gruppe. Das Wetter verschlechterte sich wieder einmal, sodaß der Abstieg in schnellem Tempo vollzogen wurde. Vom Hochtal viel die Wahl auf den direkten Weg ins Tal von Pontresina. Dieser endete bei der Talstation der Munt Muragl Standseilbahn. Von dort gings weiter zu einer Station der Rhätischen Bahn (RhB). Kaum angekommen fing es an zu regnen. Der schwach gebliebene Regen hörte aber nach einigen Minuten wieder auf. Das auf der anderen Talseite befindliche Gewitter blieb stationär im Morteratsch-Gebiet hängen und tobte sich dort aus. Mit der RhB fuhr ich nach Pontresina zurück. Für die Tour musste ich 1279 Höhenmeter erklimmen. Anmerkung: Der Las Sours hat zwei Gipfel von 3008m und 3038m. Ich bestieg nur den vorderen Gipfel von 3008m. Die Höhenangaben stammen von der SAC-Schweiz. Andere Quellen nennen die Werte 2978m und 3008m. 

Tag 6: Das Ziel für diesen Tag war der Piz Nair 3057m oberhalb von St. Moritz. Es begann mit einer Eisenbahnfahrt in den mondänen Skiort auf 1775m. Vom Bahnhof gings erstmal durch den Ortskern, vorbei an Luxushotels und-geschäften bis zum oberen nördlichen Rand. Nun über einfache Wege, teils steil, weiter in Grasgelände Richtung St. Moritz-Berg/Munt St. Moritz auf 2667m. Der Munt ist eine große Seilbahn- und Liftstation im gleichnamigen Skigebiet. Der Weg wurde zum Pfad und wechselte in steiniges Gelände. Er führte steil an einen Kamm heran, später in Serpentinen auf diesen Kamm hinauf. Einige Abschnitte des Pfads erwiesen sich als anspruchsvoll. Bei gutem Wetter hätten sich spätestens jetzt gute Tal- und Fernblicke hinunter ins Inntal sowie zu den umgebenden Berggruppen ergeben. Wegen Nebels, bzw. zahlreich durchziehender Wolken war aber immer nur wenig, oder gar nichts, zu sehen. Der Steig führte entlang des erklommenen Kamms weiter bis zur Seilbahn-Bergstation der Piz Nair-Bahn. Er blieb streckenweise anspruchsvoll. Nach weiteren 50 Höhenmetern war der Gipfel erreicht. Die Aussicht hatte sich bis dorthin nicht verbessert. Das Wetter lies kaum Fernblicke zu. Ich stieg zur Bergstation ab und ging zur Stärkung ins Restaurant der Station. Kurzzeitig waren nun plötzlich das Piz Bernina-Massivs, der Piz Languard u.a. Berge zu sehen. Auch St. Moritz tauchte kurz aus dem Tal-Nebel auf. Nach kulinarischen Genüssen wartete ich noch einige Wolkenlücken zum Fotografieren ab. Später fuhr ich per Seilbahn/Standseilbahn bis nach St. Moritz zurück. Unten angekommen Begann der für diesen Nachmittag prognostizierte Starkregen. Er begleitete mich während des Wartens auf den Zug und auf der Rückfahrt nach Pontresina. Dort gab es etwas weniger Regen, sodass man ohne komplett durchnässt zu werden ins Hotel-Quartier gehen konnte. Es wurden in Summe 1329 Höhenmeter erstiegen.

Schlußbemerkungen: Die Wetterbedingungen in der Region waren extrem instabil. Insbesondere Wetterfronten aus Süd/Südwest bargen vielerlei Überraschungen. Teils gab es Umschwünge innerhalb von 30 Minuten, heranziehende Fronten/Gewitter blieben plötzlich auf einer Talseite stehen, zogen ab, oder lösten sich auf. Ständige Wetterbeobachtungen sind daher unbedingt anzuraten. Die Verhältnisse sind dort um einiges schwieriger als beispielsweise im Wettersteingebirge. Aufgrund dieser Bedingungen wurden häufig Seilbahnen für den Abstieg gewählt.

Die Fahrten mit der Rhätischen Bahn (in der näheren Umgebung) sowie der Seilbahnen der Region waren im Hotelpreis mit inbegriffen. Diese Vorteile sind Standard ab 3 Hotel-Übernachtungen am Stück in der Region (Stand 2017).

Leider hatte sich kein Mitglied der Sektion zur Engadin-Woche angemeldet.