Die Sektion Königsberg zu Besuch im unterfränkischen Königsberg! Am 18. September trafen sich 14 Mitglieder unserer Sektion in Bamberg zu einer dreitägigen Kulturwanderung. Los ging es nach einer gemeinsamen Stärkung mit einer sehr interessanten Stadtführung durch Bamberg. In den nächsten Tagen wurde von Zeil am Main aus unter anderem das Königsberg in Bayern besucht. Die Kulturwanderung wurde von Uwe Simon organisiert, der auch einen ausführlichen Reisebericht mit zusätzlichem Material über Königsberg und die Hexenverbrennungen in der Gegend aufbereitet hat. Herzlichen Dank dafür!

Reisebericht von Uwe Simon:

Damit die Anfahrt für alle nicht unter Zeitnot stattfand, hatte ich den Treffpunkt in Bamberg im Schlenkerla zwischen 12 Uhr und 12:30 gelegt. Alle fanden sich rechtzeitig in der Traditionsgaststätte ein, dessen Spezialität das Rauchbier und deftige bayrische Kost ist. Die alte Sitte Weißwurst darf das zwölf Uhr Läuten  nicht erleben wird hier noch eingehalten, gleiches gilt hier auch für die Bratwurst, ich denke der eigentliche Grund ist die Küchenorganisation.

Ein Mitglied der Sektion, Frau Harz hatte mich am Morgen angerufen und gebeten an der Führung in Bamberg teilzunehmen. So waren wir 15 Personen. Nach der Stärkung im Schlenkerla blieb noch Zeit bei sonnigem Wetter einen Kaffee zu trinken oder in die Schaufenster der vielen Antiquitätengeschäfte zu schauen. 

Der erste Eindruck von Bamberg die Regnitz mit dem Rathaus, auf dem Weg von der Tiefgarage zum Treffpunkt Schlenkerla

Das italienische Café am alten Rathaus lockte doch einige die italienische Cafékultur und das Eis zu genießen mit dem Blick auf den Rokokobalkon und die Freskomalerei des Rathauses. Der Sage nach wollte der Bischof von Bamberg den Bürgern keinen Platz für den Bau eines Rathauses gewähren. Deshalb rammten die Bamberger Pfähle in die Regnitz und schufen eine künstliche Insel, auf dem sie das Rathaus errichteten.

Unser Stadtführer Herr Morgenroth wartete bereits vor dem  Gasthaus Schlenkerla als wir vom Rundgang bzw. Café zurückkamen. Diese Gaststätte steht auf dem Gelände des Dominikanerklosters. Wir erfahren warum die Gaststätte Schlenkerla heißt und warum das Bier einen kräftigen rauchigen Geschmack hat. „Weil er gern mit seina Orm a wengla gschlenkert hot, drum hom's ihn Schlenkerla getauft aus Übermut und Spott steht in der Chronik“.
 Herr Morgenroth bestätigte den schlenkernden Gang des Wirtes Andreas Graser und erklärte ein Unfall sei wohl die Ursache gewesen. Die Bamberger  gaben der Wirtschaft den Namen, man ging nicht zum Hellerbräu sondern zum Schlenkerla. Das Schild über der Eingangstür zeigt den Andreas Graser und dem Stern an dem drei Heller hängen als Hinweis auf Hellerbräu. Das Rauchbier kommt von der Dörrmethode des Malzes. Die Malz wurde früher über dem offenen Feuer getrocknet um sie haltbar zu machen. Dadurch erhielt das Bier seinen rauchigen Geschmack.

Klein Venedig Auf dem Domplatz Der Marienaltar von Veit Stoß

Die nächste Station des Rundganges war an der Regnitz, mit Blick auf Klein Venedig.  In früheren Zeiten wohnten dort die Fischer. Ihr Fang war groß, da von dem Schlachthaus die Abfälle in die Regnitz geleitet wurden. Die Bedeutung der Regnitz als Handelsweg und viele andere Geschichten erzählte Herr Morgenroth. Der Dom mit den vier Türmen ist der Blickfang von Bamberg. Unsere Gruppe hört aufmerksam zu beim lebendigen Unterricht über Baugeschichte und den Stilepochen des Domes und den Gebäuden des Domplatzes, gespickt mit Anekdoten der Geschichte.  Im Inneren des Domes gibt der Bamberger Reiter der Wissenschaft immer noch Rätsel auf. Nachdem es jahrelange Forschungen bezüglich des Bamberger Reiters gab, erhärteten die Ergebnisse, dass der Bamberger Reiter wirklich König Stephan symbolisiert.  Nicht nur wegen des Bamberger Reiters lohnt der Besuch. Das Grabmal von Kaiser Heinrich (973- 1049 von Tilmann Riemenschneider geschaffen, der geschnitzte Marienaltar von Veit Stoß, die Synagoge und  Ecclesia, die Judentum und Christentum symbolisieren und vieles mehr ist zu bewundern. Unser Stadtführer machte uns auf eine profane Darstellung, ein Schwein, in einem Außenfries aufmerksam. In früherer Zeit konnten die Menschen meist nicht schreiben und lesen. Aus diesem Grund haben noch etliche Häuser in Bamberg Darstellungen als Unterscheidungsmerkmal wie auf dem Bild, ein Ring im Schnabel eines Vogels oder ein Flusskrebs. Im 18.Jahrhundert wurden die Bürger aufgefordert ihre Häuser einheitlich zu gestalten. Dies war mit Steuernachlass verbunden, ein Konjunkturprogramm auch in dieser Zeit.  Balthasar Neumann, Johann Jakob Küchel, sowie die Architektenbrüder Dientzenhofer kleideten die mittelalterliche Fachwerkstadt im achtzehnten Jahrhundert in ein prachtvoll barockes Gewand, wenngleich es ihnen nicht gänzlich gelang, die engen Gässchen in breite Prachtstraßen umzuwandeln. Gerade deshalb haben wir es in Bamberg bei allem Prunk immer noch mit einer fränkisch- gemütlichen Variante des Barock zu tun, steht in einer Stadtbeschreibung.

Der Bamberger Reiter Rathaus und Regnitz

Am Mühlenviertel endete die Führung.  In diesem Bereich wurde bereits im 13./14. Jahrhundert Mühlen an der Regnitz gebaut für vielfältige Anwendungen wie Mahlen von Getreide, Sägen, Schleifen, Stampfen, eine Lohmühle für die Gerber. Im 15. Jahrhundert baute die Stadt dieses Viertel
weiter aus um die Effizienz der Mühlen zu erhöhen. Hochwasser, Brände führten immer wieder zu Veränderungen. Auch der letzte Krieg zerstörte einige Mühlen. Ein Teil der Wasserkraft wird heute für die Energieerzeugung genutzt.
Die Gruppe nutzte noch das sonnige Wetter in diese schöne Stadt einzutauchen um eine Kirche zu besichtigen oder einen Aperitif zu trinken, vor der Weiterfahrt nach Zeil am Main zum Hotel Kolb. Ein kräftiger Schauer ging nieder als die letzten im Hotel eintrafen. Der Wirt hatte die Küche des Hotels gelobt und tatsächlich bot die Speisekarte eine gute Auswahl sehr schmackhafter Gerichte zu denen der gute  Wein aus der Frankenregion mundete.


Am nächsten Tag nach dem Frühstück fuhren wir mit 4 Fahrzeugen die gut neun km nach Königsberg. Drei Autos ließen wir stehen, damit die Gruppe am Nachmittag nach Zeil am Main zurückkam. Mit einem Auto fuhren die Fahrer nach Zeil zurück, Das Wetter meinte es mit der Wandergruppe gut. Der Himmel bewölkt mit kleinen blauen Lücken. Wir marschierten vom Hotel über die Abt – Degen – Str. los an der Ostpreußenstr. vorbei und immer den Burgen und Schlösserweg folgend aufwärts in Richtung Prappach.

Auf der Ostpreußenstraße

 

Der Weg bot uns einen weiten Blick über die hügelige Landschaft mit den abgeernteten Feldern. Baumgruppen und Waldgebiete strukturierten die Landschaft. Kirchtürme der kleinen Dörfer in den Senken ragten wie mahnende Zeigefinger in den Himmel.

 Nach einigen Kilometern waren Frau Prasch und Herr Hebisch nicht mehr zu sehen. Der Grund der Abwesenheit, die Geburt eines Kalbes auf einer Wiese.  Das Kalb konnte sich nicht allein aus den Dornenbüschen befreien. Die Hilfe des Bauern brachte das Kalb zur Mutter zurück, erzählte uns Frau Prasch und Herr Hebisch als sie wieder zu uns stießen. Nach gut 5 Kilometer war der Höchste Punkt unseres Weges zum Zwischenziel Prappach erreicht. Eine steile Asphalt - Straße leitete uns nach Prappach. Prappach ist Bauerndorf mit einer großen Kirche. Auf dem Dorfplatz ein Kruzifix. Bis zu diesem Punkt kannte ich den Weg, doch wie geht es weiter? Wir wanderten bis zum Ortsende um den Hinweisschild des Burgen- und Schlösserweges nach rechts zu folgen. Wieder ging es aufwärts. An einer Birnenplantage, forderten die Bauern einige unserer Gruppe auf sich zu bedienen. Hunderte von Birnen lagen am Boden. Sie wurden von den Bauern für ihre Schnapsbrennerei in Trappach aufgelesen. Kurz vor der Verbindungsstraße von Zeil am Main nach Königsberg bog der Weg nach links ab und nun ging es Abwärts an der Schafsherde vorbei, die uns am Morgen auf der Rückfahrt nach Zeil aufgehalten hatte als sie die Straße querten. Die Burg von Königsberg grüßte zu uns hinüber Bald erreichten wir die ersten Häuser von Königsberg und kurz danach das Stadttor zur Altstadt.  Über die Eduard – Lingel – Str., an einem schön restauriertem Hausvorbei mit sinnigem Spruch wie: „ Dies Haus ist mein und doch nicht mein, beim Nächsten wird es auch so sein, den dritten trägt man auch hinaus, nun frag ich wem gehört das Haus“, und weiteren Fachwerkhäuser erreichen wir den Marktplatz wo die Autos standen. Die Wanderung hatte länger gedauert als gedacht. Aus diesem Grund fuhren alle auf den Schlossberg um in der Gaststätte etwas zu essen. Ein schöner Blick bot sich uns auf Königsberg von den Fenstern der Gastätte.  Leider muss ich alle etwas drängen denn die Zeit war knapp bis zur Stadtbesichtigung. Herr Schneider wartete bereits auf dem Marktplatz und erzählte von dem Berühmtesten Sohn der Stadt dem Gelehrten Regiomontanus und vielem mehr, er ist ein wahrer Experte für die Geschichte von Königsberg. Im Anhang habe ich den Bericht aus der Süddeutschen Zeitung angefügt, der sehr treffend wiedergibt was uns Herr Schneider über das schmucke Städtchen erzählte.
Ein Regenschauer trieb uns in Kirche aber auch hier erzählte uns Herr Schneider von der wechselvollen Geschichte dieser protestantischen Stadt. Das Königsberg in Bayern ist auch mit der Geschichte von Ostpreußen verbunden. Im Steinweg nahe dem Stadttor auf der rechten Seite stadtauswärts steht ein Haus in dem Exilanten aus Salzburg auf dem Weg nach Ostpreußen gewohnt haben. Gegenüber wieder ein Haus mit sinnvollen Sprüchen in deutscher Schrift. Frau Rehkopf hat mir bei der Übersetzung geholfen.

Die Sprüche lauten:
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von Anderen
Was wir heute tun entscheidet darüber wie die Welt morgen aussieht
Vieles geht in der Welt verloren weil man es zu schnell verloren gibt
Der Langsamste der sein Ziel nicht aus den Augen verliert geht noch immer geschwinder als der ohne Ziel herumirrt.

 

Da ich nur wiederholen würde was in dem SZ Bericht steht  erzähle ich nur von dem Ablauf der Besichtigung. Über den Steinweg kehren wir zum Marktplatz zurück. Nach dem langen Rundgang ist das Bedürfnis einen Kaffee zu trinken groß. Leider verfügt Königsberg über zu wenig Gastronomie. Ein Teil der Gruppe wandert zum Kunsthandwerkerhof und kehrt dort ein. Es gibt dort zumindest einen Kaffee, der Kuchen reichte nicht mehr für alle, zu groß war der Ansturm an dem heutigen Tag. Bei blauem Himmel ging die Fahrt nach Zeil zurück.
Das Abendessen mussten wir in Ziegelanger im der Weinstube Zimmermann einnehmen. Im Hotel Kolb fand eine Hochzeitsfeier statt. Der größere Teil der Gruppe wanderte von Zeil die zwei km nach Ziegelanger und auch spät am Abend wieder zurück zum Hotel. Die Wanderung muss wohl erholsam gewesen sein. Da ich einen Tisch reserviert hatte fanden wir an einem langen Tisch in dieser Weinstube Platz. Die Weinstube bot eine zünftige Küche und gut mundeten die Weine aus ökologischem Anbau.

Die Lärmbelästigung der Hochzeitsgesellschaft hielt sich in der Nacht in Grenzen. Keine Klagen am Morgen. Wieder ging es vom Hotel los zum wenige hundert Meter entfernten Stadtturm in dem die abscheulichen Hexenverfolgungen im Dokumentationszentrum thematisiert sind. Im Bereich von Bamberg und Zeil am Main gab es wohl die meisten Hexenprozesse. Ich habe einige Seiten aus einer Lehrschrift für Lehrer kopiert.

Zeil vom Käppele gesehen

Nochmals eine leichte sportliche Herausforderung für die guten Geher bei der Besteigung des Käppele auf dem die Wallfahrtskirche steht hoch über dem Maintal mit einer großartigen Aussicht auf Zeil und dem Main und Steigerwald. In dem Eiskaffee am Marktplatz beschließen wir die Tour.

Ich denke die Kulturwanderung hat allen gefallen. Für mich eine Aufforderung wieder im Frankenland eine Tour zu organisieren.

Zusätzliches Material über Königsberg in Bayern und die Hexenverbrennungen gibt es hier.