von Ulrich Gimbal (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Im September 2017 fand eine Bergtourwoche im Montafon-Tal (Vorarlberg/Österreich) statt. Das Quartier vor Ort war in Partenen (1051m), dem letzten Ort des Montafon-Tals vor der Bieler Höhe.  Partenen ist ein Ortsteil von Gaschurn. Die Anreise erfolgte per Bahn die Abreise mit Freunden mittels Auto. Im Zeitraum wurden folgende Touren unternommen:

  • Partenen - Breiter Spitz, 1051-2208m,   1227 Höhenmeter, 6 Stunden Gehzeit+Pausen
  • Partenen - Obertromenier(Alpe), 1031-2034m,   1010 Höhenmeter, 5,5 Stunden
  • Partenen - Tafamunter Augstenberg/Versalspitze, 1031-2489m/2462m,   1579 Höhenmeter, 7 Stunden
  • Vermuntsee - Saarbrücker Hütte, 1743-2538m,   830 Höhenmeter, 5 Stunden
  • Bieler Höhe - Radsattel/Piz GR, 2034-2652m/2701m,   750 Höhenmeter, 5 Stunden
  • Partenen - Tafamunt, 1030-1835m,   830 Höhenmeter, 5 Stunden
  • Gaschurn - Schwizerhüsli, 960-1540m,   580 Höhenmeter, 3 Stunden

Das Montafon ist ein intensiv vom Menschen genutztes Tal. Dies betrifft nicht nur die Bereiche (Winter)Sport- und Wander-Tourismus, sondern auch den Bereich Industrie. Im Tal sticht die Stromerzeugung mittels Wasserkraft hervor. Die Lage des Montafons, geografisch gesehen von Nordwest nach Südost ist dafür hervorragend geeignet. Die typischen Atlantik-(Island)-Tiefs mit viel feuchter Luft können im Tal besonders gut abregnen. Daher dachte man schon im 19ten Jahrhundert über die Nutzung von Wasserkraft zur Stromerzeugung nach.  Im gesamten Tal trifft man überall auf kleinere und größere Bauten zur Energiewirtschaft. Diese Anlagen sind häufig gut versteckt. Aufgrund der Talenge wurden ganze Kraftwerke, Druckstollen, Transformatoren u.a. in größeren Berg-Kavernen untergebracht. Von außen sieht man häufig nur Zufahrten, oder Seilbahnen für Material sowie Mitarbeiter. Die Bahnen sind teilweise auch für Wintersportler und Wanderer nutzbar. Die Geschichte des Kraftwerksbaus begann schon 1924 mit der Gründung entsprechender Unternehmen. Daraus ging später das Illwerk hervor, dem heutigen Betreiber. Derzeit werden die bestehenden Anlagen, speziell die Pumpspeicherkraftwerke, im großen Stil erweitert. Dazu wurde sogar eine größere Materialseilbahn von Partenen zum Vermuntstausee  errichtet. Die Baustellen stören aber den Bergwanderer kaum. In der schönen Tallandschaft fallen sie kaum auf. Die Bauarbeiten finden größtenteils unterirdisch statt. Die Berge spiegeln sich dagegen gut in den Stauseen, (z.B. Vermunt, Kops, Silvretta u.a.). Sie schaffen somit gute Fotomotive und bei Bedarf eine Abkühlung nach einer anstrengenden Tour. In Nähe der Seen gibts zudem einige Hütten und Seerestaurants zur persönlichen Stärkung.

 

Tag 1: Die erste Tour der Woche ging auf den Breiter Spitz 2208m. Dieser Berg bot sich an, da er direkt am Talschluß des Montafons steht und somit die besten Aussichten ins Tal versprach. Zudem ist er von allen lohnenden Zielen der Umgebung am schnellsten zu erreichen. Vom Quartier aus wanderte ich in einer weiten Kurve um den oberhalb vom Dorf Partenen gelegenen Dorfteil namens Loch herum. Schließlich wurde die Wege-Abzweigung in Richtung Breiter Spitz (über Bärenboden und Vallülaalpe) erreicht. Der Bergsteig führte nun steil bis sehr steil zum Bärenboden auf 1746m. Er ging durch dichten Wald. Am Bärenboden weitete sich der Blick auf die nachfolgenden Hochtal-Almen. Weg und Gelände wurden flacher. Zudem waren erste Talblicke möglich. Im Almgelände waren einige verwachsenen Nutzbauten der vielen nahegelegenen Pumpspeicherkraftwerke zu erkennen. Der Weg durchquerte sehr nasses Gelände bis zu einem wasserreichen Bach. An diesem Bach wanderte man links-entlang zu einem Hang auf die Südseite des Hochtals. Später bog man direkt in den Hang ab und stieg steil auf die nächste Stufe des Berges. Unterwegs gabs einen kurzen Schauer. Die Stufe war etwas mit Schnee überzuckert. Der Weg war aber dennoch gut zu erkennen. Das Gelände kann man grasig-karg mit einigen Felsen durchsetzt bezeichnen. Auf der Stufe traf man auf eine Hütte sowie einen kleinen See. Dort vorbei gings nun von der östlichen Rückseite auf den höchsten Punkt des Breiter Spitzes auf 2208m. Das Gipfelkreuz steht etwas unterhalb davon auf 2196m. Es boten sich gute Blicke ins Montafon-Tal sowie auf Berge der Verwallgruppe des Silvrettas und auf die Vallülaspitze. Nach ausgiebiger Rast mit vielen Fotoaufnahmen stieg ich auf der Nordseite des Berges zum Kops-Stausee 1822m ab. Der See ist ein wichtiger Teil der vielen Kraftwerksbauten zur Stromgewinnung in der Region. Über die Staumauer gings nun weiter auf die andere Talseite. Das nächste Wanderziel war die Erschließungsstraße des Kops-Sees. Die Straße schlängelt sich in Serpentinen und Kurven hinunter nach ins Montafon-Tal. Ein längeres Stück vor dem Ort Partenen, etwa auf 1450m bog ich von dieser in einen Bergweg ab. Er führte durch Wald und Wiesen zum Hotel-Quartier zurück. In Summe erklomm ich 1227 Höhenmeter. Wanderzeit: ca. 6 Stunden.

Tag 2: Diese Tour diente quasi als Qualitätsprobe meiner Regenausrüstung. Es war zwar Dauerregen angekündigt, aber nicht sehr große Regenmengen. Ich entschloss mich daher auf die Obertromenier-Alp 2034m (Silvrettagruppe) zu wanderrn. Morgens packte ich mich nun in die Regenkleidung ein und los gings. Der Anstieg begann in Partenen im Regen zunächst auf breiten Wirtschaftswegen, welche nach ca. 200 Höhenmetern vor einem Wald endeten. Fortgesetzt wurde die Tour auf steilen Pfaden. In vielen Kurven wanderte ich teils sehr steil bis zur Bergstation einer Materialseilbahn des ansässigen Kraftwerkunternehmens hinauf. Von dort weiter aufwärts in Almgelände vorbei an einigen Lawinenverbauungen. Danach gings an einer Wegekreuzung links haltend über grasiges Gelände an einer Almhütte vorbei zu einem Aussichtspunkt der Alm. Vor Ort gabe es leider wegen Nebel und Wolken keine Sicht. Der Abstieg führte auf gleichem Wege zur Bergstation zurück. Dort kurze Rast in einem öffentlich zugänglichen Aufenthaltsraum. Der Raum besaß sogar einen nutzbaren Getränkeautomaten. Im Winter wird diese Seilbahn auch für Skifahrer als Zugang zur Bieler Höhe genutzt. Dazu gibt es eine Verbindungsstraße von der Seilbahnstation durch Tunnel bis zum Vermuntsee 1734m und weiter auf der Silvrettastraße zur Bieler Höhe. Der weitere Abstieg erfolgt wiederum entlang der Aufstiegsroute. Nach 1010 Höhenmetern und 5,5 Stunden kam ich wieder im Talquartier an. Meine Ausrüstung hatte zudem den Regen-Dauertest bestanden. 

Tag 3: Die Besteigung des Tafamunt-Massivs stand auf dem Plan. Das Massiv erhebt sich direkt nördlich von Partenen. Angepeilt wurden beide Gipfel des Berges, der Tafamunter Augstenberg 2489m sowie die Versalspitze 2462m. Als erstes lief ich zum unteren Ortsende von Partenen. Dort bei 1031m befindet sich der Beginn des Aufstiegpfades. Nun wandert man ein langes Stück im Wald steil den Hang hinauf.  Der Weg führt an der Maisäßalp vorbei bis über die Wald- und Baumgrenzen in Alpgelände. Ab hier schöne Tiefblicke ins Montafon-Tal und die umliegenden Berge möglich. Insbesondere ab 1600m wird der Pfad auf Teilstücken anspruchsvoll. Auf der Alp schlängelt er sich um größere Lawinenverbauungen herum. Er knickt nach rechts ab und führt durch eine Almsenke zum halb-verfallenen Versalhaus. Jetzt am Haus vorbei bis zur Wegekreuzung Jöchli 2405m. Von dort lassen sich beide Ziel-Gipfel einfach besteigen. Der Weg zum Augstenberg und zurück zum Jöchli ist dabei länger. Auch von der Versalspitze muss man zum Jöchli zurück gehen. Auf beiden Gipfeln gute Fernsicht über alle umliegenden Berggruppen (Verwall, Silvretta, Lechqquellgebirge). Von der Versalspitze können zudem schöne Tiefblicke ins Montafon und Richtung Bieler Höhe genossen werden. Zum Abstieg gings vom Jöchli nach Nordosten zur Verbellaalpe 1938m weiter. Von der Alpe verläuft eine Forststraße am Kops-Stausee vorbei nach Partenen zurück. Als Alternative gibt es mehrere steilere Pfade als Abkürzungsmöglichkeiten. Nach ca. 7 Stunden und 1579 Höhenmetern war die Tour geschafft. Eine Einkehrmöglichkeit war nur bei der Verbellaalpe gegeben. Aufgrund des wechselhaften Wetters (mit Regen/Schneeregen) verzichtete ich darauf und marschierte mit Tempo ins Tal.

Tag 4: Für diesen Tag war zunächst bestes Föhnwetter, danach aber der schnelle Durchzug einer Kaltfront mit Regen- und Schneefall vorhergesagt worden. Ich kappte somit das eigentlich Ziel, den Kleinlitzner 2783m (Silvrettagruppe) in Nähe der Bieler Höhe. Statt dessen lief ich auf guten Wegen vom Vermuntstausee 1734m nur bis zur Saarbrücker Hütte 2538m. Die Hütte liegt direkt unterhalb des Kleinlitznergipfels. Am Weg und auf der Hütte gute Blicke auf die Berge der Verwallgruppe und der nahen örtlichen Umgebung möglich. Es waren schöne Fotos machbar. Von Norden konnte man in der Ferne das Herannahen der Kaltfront beobachten. Nach einer Stärkung in der Hütte stieg ich daher schnell wieder ab. Am Morgen fuhr ich per Linienbus hinauf zum Vermuntsee. Jetzt, beim Rückmarsch, musste ich nur kurz an der Bushaltestelle warten. Ein Autofahrer nahm mich aufgrund von Wind und Regen freundlicherweise bis nach Partenen mit. Die Tour dauerte inklusive Busan- und PKW-Rückfahrt knapp 5 Stunden, bei 830 Höhenmetern. Der Vermuntsee liegt direkt an der Silvrettahochalpenstraße Partenen-Bieler Höhe. Der Bus fährt tagsüber etwa jede Stunde vom Tal (teils vom Ort Schruns) zur Höhe und zurück.

Tag 5: Ursprünglich geplant war die Besteigung des Hohen Rades 2934m, am Silvretta-Stausee, bzw. der Bieler Höhe. Wegen Schnee kam ich aber nur bis zum Radsattel auf 2652m. Die Anfahrt zum See geschah per Bus. Vom See wanderte ich auf der östlichen Staumauer an das Hohe Rad heran und weiter entlang der Ostseite des Berges. Der sonnige Morgen und ein ebensolcher Vormittag erlaubten schöne Fotos vom See und der Umgebung. Im weiteren Verlauf des Weges kamen schöne Blicke auf die Piz-Buin-Berggruppe hinzu. Nach einiger Zeit zweigte nach rechts der Pfad zum Radsattel/zum Hohen Rad ab. Nach Begehung einiger sehr steiler Passagen kam ich zum Radsattel 2652m. Es wurde klar, dass ein weiteres Wandern in Richtung Hohes Rad nichts bringen würde. Der Weg dorthin war faktisch nicht erkennbar. Die Ostflanke des Berges, durch die der Steig führen musste, war von sehr viel Schnee bedeckt. Zudem schlug das Wetter wiedermal um.

Auf dem Radsattel erblickte ich links einen einfach erreichbaren schneebedeckten Grashügel. Kurz entschlossen wanderte ich auf den Hügel. Am höchsten Punkt des Berges fand ich ein halb umgefallenes Gipfelkreuz vor. Im Jahre 2006 hatten einige spaßfreudige Wanderer diesen Hügel ebenfalls erklommen. Mangels Hinweisen, dass der Hügel schon vorher mal bestiegen worden ist erklärten sich diese Wanderfreunde zu "Erstbesteigern". Sie stellten ein Gipfelkreuz auf und vermerkten dort, wer und wann den Berg erstbestiegen hat (im Jahr 2006). Alle Teilnehmer der Aktion sind am Kreuz eingraviert. Die Spaßvögel tauften den Berggipfel auf den Namen "Piz GR". Er liegt auf 2701m. Anschließend ging ich zum Sattel zurück und stieg auf der Westseite in Richtung Silvrettasee wieder ab. Durch den Schnee waren die Wegverläufe zum Teil nicht erkennbar. Ich musste zeitweise danach suchen. Zurück auf der Bieler Höhe gab es noch eine Stärkung im Seerestaurant. Anschließend gings per Bus zurück ins Tal. Tourdauer ca. 5 Stunden bei 750 Höhenmetern.

Am Abend kamen dann als Wander-Verstärkungen 3 Freunde aus München in Partenen an, Franzi, Christoph und Rudi.

Tag 6: Wegen labiler Wetterlage entschlossen wir uns für eine Kurztour. Wir gingen auf eine Vorstufe des Tafamunterberges direkt nördlich von Partenen. Ein Teil des Geländes wird vor Ort als Wiege, ein anderer als Maisäß bezeichnet. Die Wiege liegt zwischen 1800 und 1950m Höhe. Es liegt direkt unterhalb des Versalspitze. Startpunkt war das untere Ortsende von Partenen (wie am Tag 3). Der Weg führte steil in Serpentinen zur Inner-Tafamuntmaisäß bis auf etwa 1520m. Nun gings rechts haltend weiter zur Alpstöbli-Hütte 1550m. Dort kurze Rast mit einer kleinen Stärkung. Die Hütte liegt unterhalb der Tafamunt-Seilbahn und verfügt über eine eigene Zustiegsmöglichkeit zur Seilbahn. Die Bahn ist auch zur allgemeinen Nutzung zugänglich. Sie endet oberhalb der Hütte auf 1717m. Später führte unsere Wanderung in Richtung Wiege/Wiegensee. An einer Wegegabelung auf ca 1835m verschlechterte sich das Wetter, sodass wir lieber in den direkten Abstiegsweg nach Partenen einschwenken und zum Quartier zurück wanderten. In Summe wurden 830 Höhenmeter gelaufen. Die Tour-Dauer betrug etwa 5 Stunden.

Tag 7: Da auch für diesen (Abreise)Tag regnerisches Wetter vorhergesagt wurde, packten wir unser Gepäck und fuhren im PKW zum benachbarten Ort Gaschurn auf 960m. Wir parken auf dem Parkplatz der Versettla-Seilbahn und stiegen für eine weitere Kurztour in Richtung Schwizerhüsli 1540m auf. Die Hütte wurde nach ca, 1,5 Stunden erreicht. Von dort wanderten wir zur Mittelstation der Versettlabahn. Nach einigen Diskussionen stiegen wir wegen Wetter wieder ins Tal ab. Kurzzeitig tröpfelte es. Es blieb aber letztlich faktisch trocken. Nach dem relativ schnellen Abstieg fuhren wir wieder nach München zurück.

So endete die Wanderwoche im Montafon. Dem schlechten Wetter konnte(n) ich/wir einige Bergspitzen, Hüttenziele und Almen abtrotzen.

Zur Tourwoche gabe es leider keine Anmeldungen aus der Sektion.